IMI-Studie 2026/01
Die Zukunft ist olivgrün
Der Umbau der Gesellschaft für das Kriegsgeschäft
von: Andreas Seifert | Veröffentlicht am: 24. März 2026
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Einleitung
Bis zum Jahr 2022 hatte die deutsche Rüstungsindustrie einen spezifischen Zuschnitt, der vor allem durch Fragmentierung und Spezialisierung gekennzeichnet war. Vieles davon ließe sich sehr gut anhand der historischen Entwicklungslinien erklären, wie auch, und das ist vielleicht sogar entscheidender, mit einer gar nie ernsthaft betriebenen Konzentrationspolitik in Deutschland. Nach 1990 ist die deutsche Rüstungsindustrie auf rund ein Viertel der Größe zu Hochzeiten des Kalten Krieges zusammengeschrumpft – bis 2010 geschätzt in etwa auf 100.000 Mitarbeiter*innen. Viele einstmals sehr engagierte Firmen sind komplett verschwunden, die Mehrheit jedoch ist nur kleiner geworden und hat ihre zivilen Marktanteile erhöht. In anderen Staaten hatten ähnliche Entwicklungen der sinkenden Nachfrage nach Rüstungsgütern wesentliche Konzentrationsprozesse nach sich gezogen – in Deutschland sind demgegenüber viele Spezialisten entstanden, die mit Teilen ihrer Produktion weiter in der Rüstung aktiv blieben. Wo andere Staaten oft einen „Champion“ haben, der kaum etwas anderes macht außer Rüstung, gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Unternehmen, die zum Teil in durchaus ähnlichen
Spezialisierungen sowohl im zivilen Markt wie auch in der Rüstung aktiv sind, dafür aber ihre Produkte auch weltweit vertreiben. Diese Vielfalt – je nach Zuschnitt bisweilen als Konkurrenz verkauft, die in einem kompetitiven Markt zu niedrigeren Preisen führen sollte – verursachte über die letzten dreißig
Jahre vor allem massive Kosten im Prozess der Beschaffung von Rüstungsgütern und erhöhte die Komplexität ohnedies komplexer Waffensysteme weiter.1 Hinzu kommt/kam, dass das absehbar nur moderat steigende Budget für Rüstung in Europa dazu führte, dass die Firmen kaum ein wirkliches Interesse an einem endgültigen Abschluss ihrer Projekte haben konnten – siehe Eurofighter, A400M oder jedes andere beliebige Großprojekt, das Jahre hinter seinem Plan hing.2 Dadurch entstanden zusätzliche Kosten, die der Steuerzahler schon immer bezahlt hat. Es ist u.a. diese Un-Strukturiertheit und Fragmentierung, die es konzeptionell schwierig macht, von einem Militärisch-Industriellen-Komplex in Deutschland zu sprechen. Seit 2014, also nicht erst seit der Zeitenwende, hat aber eine Debatte um sich gegriffen, in der die Bundeswehr als „kaputtgespart“ und „nicht einsatzfähig“ gekennzeichnet wurde – die heutige Aufrüstungsdebatte und auch das Volumen der Aufrüstung findet hierin einen Anfang. Hier möchte ich anhand von vier Eingangsthesen eine Annäherung an das Thema Rüstung heute versuchen.
These 1: Die Rüstungsbranche profitiert vom Strukturwandel der Industrie in Deutschland – sie kompensiert weder dessen Folgen, noch vermag sie eine dauerhafte Perspektive zum Erhalt des Wohlstandsniveaus zu bieten, wenn es keinen neuen Krieg gibt.
These 2: Der Ausbau der Rüstungsindustrie wird wesentlich möglich gemacht durch den Abbau von etablierten Prozessen – durch selektiven Bürokratieabbau, insbesondere den Abbau von Umwelt- und Klimaauflagen, den präferierten Zugang zu Kapital und durch die aktive Beförderung von Rüstungsexporten.
These 3: Der Ausbau der Rüstungsindustrie geht einher mit der Ausbildung eines nationalen MIK – die Eigendynamik der Branche trägt zu ihrer Dominanz bei und wird mehr und mehr Bereiche der Gesellschaft durchdringen: Dies führt zu einer Militarisierung aller Ebenen.
These 4: Die Rüstungsindustrie zu fördern bedeutet heute, einer gerechten Gesellschaft, dem ökologischen Umbau der Ökonomie un der Möglichkeit, die Folgen des Klimawandels zu bearbeiten, die Ressourcen zu entziehen – die Priorisierung von Sicherheit verunsichert die Zukunft der Menschen nicht nur in Deutschland. Dies ist auch der Hebel, mit dem sie zu kritisieren ist.
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